Ein Kuttertörn mit Nebenwirkungen
Sassnitz/Rügen, 07.01.2010
Schiffsordnung:
Regel 1. Der Kapitän hat immer recht.
Regel 2. Sollte der Kapitän einmal nicht recht haben, tritt automatisch Regel 1. in Kraft.
Erfahren Sie nun was Leser Oliver V. bei einer Ausfahrt mit der MS Jan Cux erlebte:
Unser diesjähriges Jahresabschlussangeln sollte nun auf Rügen stattfinden. Der Plan war Freitag im Bodden mit Wathose auf Hechte zu spinnen und Samstag sollte es dann mit der MS Jan Cux von Sassnitz aus auf Dorsch gehen. Freitag waren wir dann ab 13:30 Uhr an der Wittower Fähre. Diese teilt den Wittower und den Breetzer Bodden. Es sollte eine super Stelle sein, um in der Wathose auf Hechte zu spinnen. Der Vorteil an dieser Stelle ist, dass man bis zur Fahrrinne waten kann. Leider hatten wir wenig Erfolg. Wir fingen an vom Fähranleger mit den Wobblern durchs Wasser zu pflügen. Später sind wir in der Wathose los. Leider auch hier komplett erfolglos. Egal ob auf Effzett oder Wobbler, nichtmal ein Biss sprang raus. Gegenwind und Kraut im Wasser waren auch nicht gerade gute Bedingungen. Weiterhin gestaltete sich das waten durch den Bodden als komplizierter als gedacht. Man sank Zentimeter weit in den Schlick ein, was die Strecke bis zur Fahrrinne zum Gewaltmarsch von ca 800 Metern machte. Gegen 16:30 Uhr mussten wir geschafft aufgeben und bezogen unser Quartier in Sassnitz, die Villa Marie. Danach kehrten wir in die Altstadt Brasserie ein. Vorher wurden die Sachen gewechselt, da ich Wassereinbruch im Zentralmassiv hatte. ;-) Vorweg schon mal, sowohl die Unterkunft, als auch das Essen in der Brasserie waren günstig und spitze. Für jeden Winterangler ein absoluter Geheim-Tipp auf Rügen! Dann kam der Samstag auf der MS Jan Cux …ja wie drück ich es mal am besten aus?? Wir haben der Ostsee an diesem Tag mehr gegeben als wir genommen haben. Für manche bestand die 50,00 Euro teure Ausfahrt aus Dauerkotzen. Andere erholten sich nach dem ersten Auswurf und überstanden den Rest des Tages gut. Aber alle hatten mit dem Wellengang zu kämpfen. Diesen würde ich an Board schon als gefährlich einstufen. Bis zu 3 Meter hohe Wellen, die bei der Drift die komplette Breitseite des Kutters erfassten, waren die Regel. Das Resultat waren seitliche Kränkungen von geschätzten 45 Grad ( ist natürlich schwer einzuschätzen, aber durch rote Linien im Bild ganz gut abzuschätzen). Und das natürlich schlagartig von links nach rechts. Stand man an der Rehling wurde man gnadenlos erst gegen eben diese geschleudert, anschließend gegen die Aufbauten. Stand man am Heck oder war im Schiff, konnte man sich nur noch irgendwo festkrallen, ansonsten lag man gnadenlos am Boden. Angeln am Bug auf dem Oberdeck ging gar nicht. Zu gefährlich! Das hatte diverse Stürze und Materialschäden zur Folge. Nicht zu reden natürlich von der Kotzerei... ;-) So macht Angeln kein Spaß mehr. Musste man seinen Pilker wechseln, konnte man nur hoffen sich diesen nicht quer durch die Nase zu piercen, weil der Kutter ins nächste Wellental geschleudert wurde. Jedes Mal wenn ich jemanden mit dem Filetiermesser in der Hand sah, betete ich nur, dass keine Großwelle kommen möge. Alle die in der Kajüte gepennt haben, sind diverse Male von der Bank geworfen worden. Ich glaube man kann sich jetzt ein ungefähres Bild vom Wellengang machen. Was mich anging, meine Rute erlitt gleich bei der morgendlichen Rettung vom Oberdeck Bruch. Schöner Mist. Ich hab dann mit den Ruten der Kollegen geangelt, die sich ihr Frühstück zum 15. Mal haben durch den Kopf gehen lassen. ;-) Gegen 13:00 Uhr wurde der Wellengang etwas weniger, aber wirklich nur etwas. Er war aber immer noch stark genug, das der Smutje das Mittagessen auf die Rückfahrt verschob. Ich glaube nachdem der Rippenbraten zum 10. Mal aus dem Backofen geschleudert wurde, hatte er die Schnauze gestrichen voll. Die Hälfte der Kuttergäste übrigens auch. Was den Fang angeht, muss ich sagen, dass ich das etwas erschreckend fand, wie viele untermaßige Dorsche entnommen wurden. Ich persönlich habe 5 Dorsche gefangen (bei vielleicht 90 Minuten Angelei) die aber allesamt zu Lütt waren. Von etwa 50 insgesamt von uns gefangenen Dorschen wurden nur 4 mitgenommen, der Rest ging wieder zurück. Dass sahen andere Angler wohl etwas anders. Auch unsere Fotos aller Fischkisten wurden dementsprechend nicht gerne gesehen an Board. Alles in allem war das ein ereignisreiches Wochenende mit Höhen und Tiefen. Ein Wort vielleicht noch zur Jan Cux, ein absoluter Top Kutter. Nur die Schonmaße müssen wir wohl noch mal üben!
Fotos und Text: Oliver v.d. Velde
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